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Das Fairphone: Innovativer Ansatz oder nettes Accessoire zu Fair-Trade-Kaffee und Biogemüse?

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Keine Angst, das wird jetzt kein Gadget-Blog, nächste Woche gibt es hier wieder bibliothekarische Themen…

Fairphone Logo

Fairphone Logo

Vor kurzem habe ich mir ein neues Handy zugelegt und mich für das Fairphone entschieden. Dank einer Crowdfunding-Initiative mit 25.000 Vorbestellungen kam dieses Telefon 2013 auf den Markt. Mitte dieses Jahres wurde eine neue Auflage (mit leicht verbesserten Spezifikationen) produziert.

Der Anspruch ein „faires“ Smartphone zu produzieren ist natürlich ein ziemlich hehres Ziel und auch dem Fairphone gelingt das nur in Teilen. So sind etwa nur zwei der verwendeten Metalle (Zinn und Tantal) „konflikt-frei“. Auch die Verhandlungsmacht gegenüber der chinesischen Herstellerfirma ist natürlich begrenzt, weil das Fairphone in einer Kleinserie produziert wird und die gesamte Produktion daher nur wenige Wochen dauert. Trotzdem konnte ein Worker Welfare Fund mit demokratischer Teilhabe in der Verwaltung der Mittel installiert werden. Erklärtes Ziel der Fairphone Initiative ist es, „die Industrie zu inspirieren und zu verändern“.

Wie gesagt, die abstrakten Ziele und deren Umsetzbarkeit beim Fairphone werden debattiert, folgende konkreten Eigenschaften haben mich dann zum Kauf bewogen:

  • „Root“-Zugriff ab Werk
    Standardmäßig kann man als AdministratorIn arbeiten und hat volle Kontrolle über das Betriebssystem.
  • Dual-SIM
    Man kann das Telefon mit zwei SIM-Karten betreiben. Das ist z.B. praktisch um im Ausland einen günstigen Prepaid-Tarif parallel zu nutzen oder um eine zweite Arbeitsnummer zu haben, die man nach Feierabend leicht deaktivieren kann.
  • Kein Zwang zum Google-Konto
    Auf dem Telefon sind keine Google-Apps vorinstalliert. Man kann selbst entscheiden, ob man das Google-Ökosystem nutzen will und kann dann die entsprechenden Anwendungen einfach nachinstallieren.
  • Wahlfreiheit in Bezug auf das Betriebsystem
    Das Telefon kommt mit einem angepassten Android-System (inkl. der netten „Peace of Mind“-App). Über den integrierten Software-Updater kann man aber einfach eine „normale“ Android-Version installieren. Auch die Installation des freien Betriebssystems CyanogenMod ist anscheinend möglich.
  • Gute Reparaturinfrastruktur
    Durch eine Kooperation mit iFixit gibt es jede Menge an Reparaturanleitungen und vom Lautsprecher bis zum Display können alle möglichen Ersatzteile nachbestellt werden.
  • Innovative Ideen
    Gefallen hat mir zum Beispiel die Idee Schutzhüllen für das Fairphone zu bestellen und über einen 3D-Drucker in der Nähe ausdrucken zu können.
  • Transparenz
    Sowohl die aktuelle Zusammenstellung der Kosten (PDF) als auch eine Liste der Zulieferer (PDF) kann heruntergeladen werden. Fairphone informiert auch ziemlich offen darüber wenn etwas nicht so funktioniert, wie es sollte.

Technisch ist das Fairphone eher so Mittelklasse, für den normalen Alltagsgebrauch reicht es aber (und ist, was Geschwindigkeit und Akkuverbrauch betrifft, eine ziemliche Verbesserung zu meinem alten Handy). Die Stiftung Warentest meint „kein Spitzengerät, aber ein praxis­taugliches Smartphone“. Das bezog sich aber noch auf die alte Version mit etwas langsameren Prozessor. Die verwendete Android-Version ist leider nur 4.2.2, Fairphone liefert aber noch Software-Updates aus. Eine Aktualisierung auf Android 4.4 hakt derzeit noch an der Unterstützung des verwendeten Chipsets.

Es gibt auch eine Untersuchung darüber, wer denn ein Fairphone kauft. Interessant fand ich folgendes Zitat:

48% of Fairphone owners did not previously own a smartphone.

Es gibt also anscheinend eine Gruppe, für die die Idee eines „Fair-Trade-Handys“ so der letzte Anstoß war, sich jetzt doch einmal ein Smartphone zuzulegen. Für diese Zielgruppe hat das Fairphone Team dann auch zahlreiche Video-Tutorials produziert, die den Einstieg erleichtern sollen.

Written by Peter

Oktober 10, 2014 at 4:50 pm

Veröffentlicht in Allgemein, Software

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Neulich im Feedreader (Teil XIII): Ranganathan und der Handy-Buch-Klub, Bibliotheken verändern Menschen und digitale Diplomaten

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Nun ja, trotz Sommerloch sind da doch wieder einige Links zusammengekommen…

  • How do we get to the future?
    Notizen zu einem Vortrag von Jessamyn West über Bibliotheksarbeit in ländlich geprägten Gegenden, wo eben nicht alle – vielleicht auch mangels Breitbandausbau – begeisterte InternetnutzerInnen sind. Trotzdem gibt es auch hier „scan and share“ Projekte mit denen Informationen zur Lokalgeschichte digitalisiert und durch Crowdsourcing angereichert werden.
  • How the public library looks these days
    Viele digitale Dienstleistungen kann man auch von zuhause aus nutzen. Diese Benutzerin kommt eigentlich nur mehr zur Ausweisverlängerung in die Bibliothek und beschreibt die Veränderungen in der Institution:

The librarians seem to be serving different functions these days. […] the signage seems to be making an effort to rebrand them a little as more of an information source and less of a flunky who signs out books.

  • Living Stories, Living Libraries
    Sehr schönes Blog darüber, wie Bibliotheken Menschen verändern. In einem Artikel beschreibt die Initiatorin die Hintergründe des Projekts:

 […] today I am formally launching a digital storytelling project called Living Stories, Living Libraries. The blog relies on photo documentary-style submissions to capture the diverse stories of people using libraries. It gives individuals a place to share how libraries have impacted their lives, hear from others, connect ideas, and provides a space for you to tell your own story.

While academics endlessly debate the finer points of e-books vs. paper, they all too often forgetS. R. Ranganathan’sFive Laws of Library Science in regard to access and related matters.

As the main precepts of modern librarianship, Ranganathan’s laws have inspired the cell phone book club idea and others such as LibraryCity’s proposal for a  national digital library endowment, featured recently in the Chronicle of Philanthropy.

Law #1: “Books are for use.” Yes, use cell phone book clubs and other strategies to spread them around.

Law #2: “Every reader his [or her] book.” Imagine all the thousands of books online beyond a library’s physical holdings! And librarians and good search engines can help connect people and books. So can social media associated with the cell phone book clubs and other library services.

Law #3: Every book its reader.” See the possibilities associated with Law #2.

Law #4: “Save the time of the reader.” Download a favorite without having to drive to the library, even though plenty else can await you there if librarians are doing their jobs right—from story-hours and book clubs to lessons in 3D printing.

Law #5: “The library is a growing organism.” E means libraries can expand patrons’ choices without building expensive additions. And the endowment concept could kick-start the library e-book market and thus increase librarians’ bargaining power with publishers, so that libraries finally could take advantage of the economies of e-books. The publishers themselves would win through expansion of both the library market and the demand for retail books.

3. Where are the digital natives going next, and are we there (without being uncles dancing at a wedding)? Let’s not turn up to fight the last battle, or with a bow and arrow at a gunfight.

 

Written by Peter

Juli 20, 2014 at 1:42 pm