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Jo eh…

#bibtag14 – Tag 3: Raus mit den Büchern, rein mit den Menschen!

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Für den Nachmittag habe ich mal in die Session „Bibliotheksräume: Mehr als nur Nutzflächen“ geschaut.

Im ersten Vortrag „Das neue Gesicht des Instituts für Medienbildung der pädagogischen Hochschule Bern – Vorstellung einer innovativen Bibliotheksgestaltung zwischen virtueller und räumlicher Verschmelzung“ wurde die Neukonzeption einer Schweizer Mediothek vorgestellt.

Die Einrichtung war vorher mehr auf die Bedürfnisse der  BibliothekarInnen und weniger auf die der NutzerInnen ausgelegt. Die Kommunikationsstruktur mit einer großen Infotheke und den BenutzerInnen davor ähnelte etwas dem Frontalunterricht im Klassenzimmer. Eine Änderung der Organisationsstruktur brachte nun auch eine Anpassung der räumlichen Situation mit sich und statt der großen Theke wurden kleinere, flexiblere und modulare Möbel aufgestellt.

Kernstück ist die „Experimentierwand“: auf der einen Seite ist ein großer Touchscreen (mit der Aufschrift „Bitte berühren“), auf der anderen Seite sind kleine modulare Regale um physischen Bestand zu präsentieren (bei Bedarf können auch dort Displays eingebaut werden). Eine schöne Verbindung von analog und digital.

Der nächste Vortrag war „Mit Raumprojekten gegen das Bibliotheksstereotyp“, eine best practice Studie zu internationalen Bibliotheksprojekten. Unter dem Motto „Breaking the Library Stereotype One Room at a Time“ wurden Experteninterviews geführt um gemeinsame Charakteristika und lessons learned zu ermitteln. Der Projektbericht ist online verfügbar. Bei allen untersuchten Projekte gab es die Bereitschaft „alte Zöpfe“ abzuschneiden (Auskunft nicht mehr hinter der Theke, Essen und Trinken erlauben, unter Umständen auch Dienstleistungen abzuschaffen um freie Ressourcen zu bekommen). Auch Kooperationspartner und ein genaues Verständnis der Zielgruppe sind wichtig. Die meisten Projekte hatten einen starken Technolgiefokus, außer „Explore Outdoors“, eine Art Abenteuerspielplatz für Kinder.

Im nächsten Vortrag ging es wieder zurück nach Deutschlang genauer gesagt nach Münster: „Mehr Raum für Menschen- ein Werkstattbericht“. Das Gebäude der Stadtbücherei Münster war bei seiner Eröffnung 1993 ein „Leuchtturmprojekt“. Inzwischen sind aber einige Jahre ins Land gegangen und die Rahmenbedinungen haben sich stark verändert, sowohl die Medienlandschaft allgemein, als auch die Inanspruchnahme der Bibliothek als Raum (Stichwort „Lernort“).

In der Bibliothek wurde das früh erkannt und 2007/2008 die „Ideentanke“ gegründet. Eine AG innerhalb der Bibliothek die eine Stärken/Schwächenanalyse erstellt hat, dabei ließ man sich auch von anderen Bibliotheken inspirieren (z.B. die OBA).

Einzelne Maßnahmen konnten relativ schnell durchgeführt werden (etwa WLAN Zugang im Haus, oder die Aufnahme von Konsolenspielen in den Bestand). Eine größere Umgestaltung soll – im laufenden Betrieb – bis März 2015 durchgeführt werden. Kernstück ist das „JuWel“ (Junge Welt) ein geplanter Freizeitreff für junge Leute mit Mangas, Gaming, Musik, etc.

Zur Betreung der Jugendlichen wird auch ein Medienpädagoge eingestellt.

Allgemein gestaltet sich die Umgestaltung durch die moderne Architektur als schwierig und das Ziel „Mehr Räume für Menschen“ bedingt leider auch „Weniger Raum für Bücher“. Insgesamt soll 20 % des Bestands an Erwachsenenliteratur (vornehmlich im Sachbereich) reduziert werden.

Das Projekt wird mit einem Blog begleitet.

Der letzte Vortrag dieser Session war „Die Bibliothek als Kuratorin heterogener Quellen: Der ZLB-Themenraum“. Ziel ist es aktuelle Themen in die Bibliothek zu holen, bibliothekarische Ressourcen zu kontextualisieren und damit auch zur Inspirationsquelle zu werden.

Da mit klassischen Monographien die Gewährleistung von Aktualität schwierig ist, wird in hohem Maße auf elektronische Quellen zurückgegriffen. Damit wird die Bibliothek zum digitalen Kuratorin. Im Gegensatz zum klassischen Kuratieren gibt es neben dem reinen Sammlungsprozess auch eine starke Filterkomponente. Blogs, Twitteraccounts oder Hashtags werden identifiziert und in die Sammlung geleitet, was natürlich bedeutet ein Stück weit auch Kontrolle abzugeben (im Nachhinein können unpassende Quellen natürlich gelöscht werden..).

Eine eigene Themenraum-App wurde in Auftrag gegeben um diese digitalen Informationen zu präsentieren, mit Kooperationspartnern werden Veranstaltungen durchgeführt und auch eine klassisch-analoge Auswahlbibliographie wird gedruckt (und überraschend gut nachgefragt).

Aus dem Projekt entstanden einige lessons learned: keine Aktualität ohne elektronische Information, digitales Kuratieren ist ein Experimentierfeld (Auswahl und Bewertung der Quellen) und digitale Information braucht Vermittlung.

Aus dem letzten Punkt entstand die Idee von KuratorInnen-Führungen als geplante Erweiterung.

Das das Projekt erfolgreich ist, zeigt auch eine Auszeichnung mit einer presidential citation durch die American Library Association.

 

Written by Peter

Juni 6, 2014 um 10:40 am

Veröffentlicht in Bibliotheken, Konferenzen

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