Hatori Kibble

Jo eh…

„Occam’s Reader“ – Pragmatische oder problematische E-Book Fernleihe?

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Es gibt da dieses schöne Zitat:

Interlibrary loans are a wonder of the world and a glory of civilization.

Leider gibt es derzeit keinen praktikablen Weg auch E-Books in die Fernleihe zu bringen und so wird ein immer größerer Teil an unseren Beständen von diesem „Weltwunder“ ausgeschlossen.

„Occam’s Reader“ ist ein Projekt, das diesen Missstand beheben soll. Die „Great Western Library Alliance“ kooperiert dazu mit dem Springer Verlag um Fernleihen auf deren E-Books zu ermöglichen. In einem Modul, das auf die bestehende Fernleih-Software ILLiad aufsetzt, wird das Verlags-PDF konvertiert und über einen Web-Viewer als Bilddatei (ohne Suchfunktion, ohne OCR) angeboten. Ob dieser eingeschränkte Zugriff reicht, wird sich im Pilot zeigen:

But the minimalist approach could put off readers who want to do more with books than just read them. Will patrons be frustrated that they can’t print or download the books? And will e-book lending cut into publisher sales? The pilot should help answer those questions.

Ähnlich wie bei unserem EVA Projekt, sollen auch hier die Daten für die Erwerbung nachgenutzt werden. Und der komische Name? Der ist ein Verweis auf das Sparsamkeitsprinzip:

The name Occam’s Reader stems from a discussion Ryan Litsey and Kenny Ketner had during the early phases of software development. The root idea of Occam’s Razor suggests that “all things being equal, the simplest explanation is the best”. From that idea Kenny and Ryan asked themselves what is the easiest method we can develop for lending ebooks through ILL — thus the name Occam’s Reader.

Auf Archive.Org gibt es ein Vortragsvideo zum Projekt und im Kommentar darunter auch gleich einiges an Kritik:

I’m gonna go out on a limb here and say that I think Occam’s Reader is a really bad idea and potentially harmful. The access it provides is subpar compared to the original access that Springer allows. Researchers will not accept the inability to search or save or print.

Occam’s Reader appeases publishers at a time when we should be pushing publishers to provide equal shared access. Other publishers will latch on to this solution that serves their purposes while really doing a disservice to our library patrons.

Die angesprochenen Punkte sind natürlich richtig. Die Situation erinnert mich etwas an die Onleihe-Diskussionen: auch dort haben wir uns mit einer pragmatischen Lösung arrangiert, die zwar erhebliche Schwächen (DRM, keine Plattformneutralität, starke Beschränkungen durch die Verlage, etc.) hat, aber für einen Großteil unserer NutzerInnen funktioniert. (Ein deutsches Projekt geht ja angeblich in eine ähnliche Richtung wie „Occam’s Reader“).

Welche Alternativen würde es geben:

  1. Übertragen von Lizenzen
    Manche Verträge erlauben das Übertragen von Lizenzen. In diesem Fall würde also die gebende Bibliothek eine IP-Adresse einer nehmenden Bibliothek temporär freischalten lassen und ihr so den Zugriff auf das E-Book übertragen.
    (Das Pendant in der Onleihe dazu wäre übrigens das Ausstellen von Tagesausweisen um eine zeitlich begrenzte Nutzung zu ermöglichen.)
    Dieses Verfahren hört sich natürlich ziemlich aufwändig an, man könnte den Ablauf aber vereinfachen, in dem man vertrauenswürdige Proxy-Server (etwa bei den Konsortialstellen) einrichtet, über die der Zugang vermittelt wird. Bei dieser Lösung könnten die NutzerInnen dann auch direkt mit den PDFs statt mit Bilddateien arbeiten.
  2. „Open Access“
    Lisette Kalshoven fasst hier schön zusammen:

Even though Occam’s Reader is explained by its inventors as ‘What’s the easiest way we can do this?’ by taking the simple software and sharing the books, we propose an even sharper Occam’s Razor/Reader for the issue: it is called Open Access and Open Textbooks.

Why bother with a Digital Rights Management system-software alliance between publishers and universities when we have online journals and publication systems that circumvent all the rights issues by simply being open? Share articles and books openly and freely online in Open Access Journals, which are often peer reviewed and have high quality. When you write a textbook, make it open and share it under a Creative Commons license.

No Occam’s Reader necessary, no limited licenses for lending and copying, and immediate access for lazy students like me.

„Occam’s Reader“ als „Brückentechnologie“ bis zur allgemeinen Verbreitung von „open access“, das wäre natürlich die Ideallösung…

Written by Peter

März 24, 2014 um 8:23 am

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