Hatori Kibble

Jo eh…

#sigint Tag 1: Mit Linked Data raus aus dem Datensilo, EFF und NSA und das Internet ist schuld!

with one comment

Kann Tschunk-bedingt hohe Mengen an „natürlich“, „eben“ und „etwa“ enthalten…

Der nächste Vortrag war Let’s tear down these walls: „Mit Links“ die Mauern Sozialer Netzwerke überwinden.

Thema waren die durch soziale Netzwerke geschaffenen Datensilos und deren Überwindung. Das Problem ist ja bekannt: Poste ich meine tollen Urlaubsfotos auf Facebook oder doch lieber auf Google+ oder muss ich eh immer crossposten um alle meine FreundInnen zu erreichen? Der Content lässt sich eben nicht einfach zwischen sozialen Netzwerken transferieren.

Bei offenen Infrastrukturen wie etwa Blogs ist das anders: man muss eben nicht bei Blogger oder WordPress angemeldet sein um Inhalte zu sehen, kommentieren zu können oder um darauf zu verlinken.

Die Lösung ist – wieder einmal – Linked Data. URIs können ja nicht nur auf Dokumente verweisen sondern, etwa auch auf Personen. Die eigene Person wird damit ein verlinkbarer Teil des Web und die eigene Identität kann damit auf verschiedenen Plattformen verwendet werden. Über WebID kann das dann auch zur Authentifizierung genutzt werden.

Wer das Ganze ausprobieren will und keinen eigenen Server zur Verfügung hat kann z.B. MyProfile benutzen.

Der nächste Talk war dann brandaktuell: „The Politics of Surveillance: Understanding the National Security Agency“Rainey Reitman erzählte darin etwas zur politischen Arbeit der EFF gegen die Überwachungsaktivitäten der NSA. Durch einen Whistleblower von AT&T war dort die NSA Überwachung schon seit Jahren bekannt und die EFF führt auch einen Prozess gegen die Verantwortlichen. Die Klage wurde aber nicht vom Supreme Court zugelassen.

Interessant waren die Berichte über die „Mühen der Ebene“ in der politischen Arbeit: welche Ausschüsse sind überhaupt zuständig und in welchen besteht eine Chance politisch etwas zu erreichen. Außerdem ist es nur durch mühsame FOIA Anfragen möglich zu erfahren, wie die Regierung den PATRIOT Act interpretiert und erst mit diesem Wissen können erst Gesetzesänderungen erreicht werden.

Eine wichtige Klage ist derzeit „Jewel vs. NSA“, bei dem die NSA Verantwortlichen direkt belangt werden sollen. Bisher konnte sich der Staat auf das „states secret  privilege“ berufen, da aber jetzt durch die Whistleblower die Vorgänge öffentlich wurden, ist diese Argumentation so nicht mehr haltbar. Es bleibt also spannend…

Praktische Hinweise um der Überwachung zu entgehen gibt es auch von der EFF, etwa das „Surveillance Self Defense Project“ und ein White Paper der Freedom of the Press Foundation.

Beim letzten Vortrag des Abends ging es dann wieder um Netzkultur: „Why we fight (each other)“. mspr0 hat darin ein paar Thesen aufgestellt, warum „die Netzgemeinde“ im Moment so zerstritten ist.

  • These 1: Das Internet ist schuld
    vgl. auch diesen xkcd. Anatol Stefanowitsch hat einmal zum Internet und zu den Piraten getwittert: „Wir haben uns Strukturen fürs Streiten geschaffen, aber nicht fürs Arbeiten.“ Wobei die „Shitstormerei“ durchaus Avantgarde ist und sich noch verstärken wird, wenn auch der Rest der Gesellschaft das Internet stärker nutzt.
  • These 2: Twitter ist schuld
    Twitter unterstützt stark das Verkürzen von Gedanken, was einer ausgewogenen Diskussion natürlich nicht wirklich zuträglich ist. Christopher Lauer hat ja beispielsweise auch einmal in der FAZ exzessiv gegen Twitter „geranted“.
  • These 3: Das Wachstum ist schuld
    Die Skalierung hat dazu geführt dass marginalisierte Gruppen eine kritische Masse erreicht haben und jetzt eben auch ihre Stimme erheben.
  • These 4: Post Privacy ist schuld
    Wir wissen immer mehr von anderen Leuten, durch Last.fm z.B. auch von deren schrecklichem Musikgeschmack. Dazu gibt es auch einen schönen Blogpost von Kübra Gümüsay: „Liebe Piraten, ihr wisst genug voneinander, um euch nicht zu mögen. Und sprecht, twittert, simst und screenshottet laufend darüber. So wird das nix. Ein bisschen weniger Miteinandersein! Feiert die Unwissenheit, die Illusion! Gönnt euch ne Pause voneinander!“
  • These 5: Der Awareness Diskurs ist schuld
    Für mspr0 gibt es verschiedene „Beobachtungsschemata“ („rape culture“, „lookism“, „critical whiteness“, „mansplaining“). Das sind abstrakte theoretische Konzepte, die Ungerechtigkeiten aufzeigen können, mit denen man sich aber erst einmal beschäftigen muss, um sie zu verstehen. (Wenn man – fiktives Beispiel – einem alternden CDU-Abgeordneten vorwirft, dass seine „Herrenwitze“ sexistisch sind, wird er das aus seiner Sicht erstmal nicht verstehen und mit Abwehr und Ignoranz reagieren und so eine Situation eskaliert dann schnell einmal, Stichwort „Tugendfuror“)

Auch wenn das alles jetzt schlimm klingt, sah das mspr0 gar nicht so dramatisch sondern als „gesellschaftlicher Fortschritt at work“. Ein neues Medium ist eingetreten und wie bei allen anderen finden nun gewisse „gesellschaftliche Aushandlungsprozesse“ statt um einen allgemein praktikablen Umgang damit zu finden.

Welche Lösungsstrategien gibt es nun? Zuerst einmal eine gewisse Gelassenheit: man sollte sich seine Kämpfe sehr genau aussuchen. Oder um aus „War Games“ zu zitieren: „The only winning move is not to play“. Dabei hilft auch ein gewisses Maß an Filtersouveränität. Ein interessanter Ansatz ist auch Plomlompoms Konzept der „Dramakosten“. Ein letzter Ratschlag war noch „sich selbst / die Gesellschaft verbessern“. Na dann…

Written by Peter

Juli 6, 2013 um 12:55 am

Veröffentlicht in Konferenzen

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Eine Antwort

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  1. […] wird es wohl dereinst auch als Video geben (wird nachgereicht), bis dahin kann man das alles bei diesem fleißigen Liveblogger grob […]


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