Hatori Kibble

Jo eh…

InetBib Tag 1: Datengestützte Wissenschaft mit öffentlicher Versionshistorie

with 3 comments

080110 uni berlin

Im Wikipedia Workshop behandelt: Einbindung von Wikimedia Commons Bildern: By Friedrich Petersdorff (Own work) [CC-BY-2.0-de], via Wikimedia Commons

Wiedermal eine InetBib Tagung: Diesmal die 12., diesmal an der Humboldt Universität und diesmal mit dem Titel „Angebot und Nachfrage: Was erwarten unsere Nutzer und unsere Nichtnutzer von uns?“

Am ersten Tag begann die Konferenz mit den üblichen Grußworten und einer Keynote von Wolfgang Coy:

„Mit dem Wandel leben… Wissenschaft, Bildung und Informationelle Infrastruktur“

Coy zerlegt den Begriff „Bildung“ in die verschiedenen Facetten: „lesen lernen“, „verstehen lernen“, „suchen & finden lernen“, „wissen“ und „beurteilen lernen“.

Unterstützt wird die Bildung dabei durch die informationelle Infrastruktur: angefangen von Büchern und Zeitschriften, über öffentlich zugängliche Bibliotheken bis hin zu elektronischen Medien (vom Schulfunk angefangen).

Bei den neuen Medien wird der Redner dann doch etwas kulturpessimistisch: da kommt ein Kalauer zu Google Glass, Audiobücher bringen bei ihm die Literatur auf Konsumniveau und er zitiert eine Studie, nach der auf einer Website nur circa 18% des Textes gelesen werden.
Das kann man jetzt natürlich auch anders sehen: gut produzierte Hörbücher sind durchaus eigenständige Werke und das Informationsverhalten bei der Nutzung von Webseiten bedingt halt oft selektives Überfliegen.

Ansonsten führen die elektronischen Medien zu einem Verlust des Ortsbezuges (z.B. remote Nutzung von Bibliotheksressourcen) oder – im Gegenzug – gewinnen wieder durch den Ortsbezug (Smartphone Anwendungen die durch GPS Daten unterstützt werden).

Dann werden noch einige aktuelle Entwicklungen aufgezählt: cloud computing, 3D Drucker (,,Daten werden zu Materie“). Ein anderes Beispiel war noch „Big data“: datengestützte Wissenschaft, bei der das Erstellen von Theoriemodellen durch reine Datenkorrelation abgelöst wird.

Neben diesen ganzen technischen Entwicklungen gibt es aber auch noch ethische Herausforderungen: „Kampfzonen“ in denen die offene Wissenschaft und Bildung gegen „geheime Forschung, überzogene Patente und Urheberrechte, dual use, unsoziale Bildungsschranken oder ideologische Schranken (z.B. den Kreationismus)“ eintreten muss.

Endziel bleibt das Bildungsideal „Urteilskraft entwickeln“ und dieses muss durch zeitgerechte, informationelle Infrastrukturen unterstützt werden.

„Paradigmenwechsel bei Wissensvermittlung wegen dynamischer Veränderungsprozesse“ (Andreas Degwitz)

Inwieweit abgelesene Vorträge bei Konferenzen sinnvoll sind, sei dahingestellt. Bei dem schönen Wetter hätte man auch einfach Handouts verteilen können, damit die Leute sich das gemütlich in der Sonne durchlesen und danach entspannt beim Sektempfang darüber diskutieren können.

Inhaltlich fand ich es aber doch ganz interessant. Die Einleitung war, dass der Mensch immer schon Herausforderungen an die Technik auslagert, so eben auch das Gedächtnis. Das ist heute durch die elektronischen Medien relativ einfach, birgt aber auch ein gewisses Risiko.

Text als Träger des Wissens wird dabei durch die elektronische Speicherung einfach zum Datencontainer (die Daten liegen intern binär kodiert auf der Festplatte und werden dann der Bequemlichkeit halber in alphanumerischer Kodierung präsentiert). Elektronisch vorliegende Daten lassen sich technisch leichter verarbeiten und dies führt in der wissenschaftlichen Arbeit zu einer neuen Form der datengestützten Empirie, gerade auch in Fachgebieten die sich bisher eher mit der reinen Textinterpretation beschäftigt haben (Geschichte, Sprachwissenschaften). Degwitz sieht dies als neues Wissensparadigma (statt dem theorielastigen Arbeiten).

Dies hat natürlich auch Auswirkungen auf zukünftige Publikationen: Forschungsdaten sind ein wichtiger Teil und die Erleichterung der Weiterverarbeitung durch den elektronischen Zugriff (Repositorien, persistent identifiers, Strukturdaten, etc.).

Wissenschaftliches Arbeiten in der Zukunft (Daniel Mietchen)

Die Inhalte dieses Vortrages finden sich auf seiner Wikipedia Seite. Er wünscht sich: „long term goal: science with a public version history“.Ein schönes Beispiel dabei war die Forschungszusammenarbeit beim EHEC Ausbruch: ein Austausch der Forschungsdaten über konventionelle Kanäle (Artikel in Fachzeitschriften) hätte zu lange gedauert, daher wurden Gen-Analysen auf Github gestellt und damit konnte schnell, kollaborativ und nachvollziehbar gearbeitet werden.

 

Danach gab es vom Redner noch einen Wikipedia Workshop, dazu kommt noch ein separater Post…

Written by Peter

März 4, 2013 um 6:00 pm

Veröffentlicht in Allgemein, Konferenzen

Tagged with , , , ,

3 Antworten

Subscribe to comments with RSS.

  1. […] über das reine Verwalten von Quellcode hinausgehen. Bei der InetBib-Tagung etwa wurde über die kollaborative EHEC Analyse berichtet und bei der SIGINT ist ein GitHub-Repository eine Art […]


Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: