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IFLA Tag 3 – Bibliothekare schrecken ab

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Die zweite Session am Montag war „Generation Google needs us: new roles for visibility in the digital age for information and reference services“.

Der erste Vortrag Information „Lost and Found“ – new models for library reference service beschäftigte sich mit den Informationsdiensten der Stadtbibliothek Helsinki. Die KollegInnen sind ziemlich innovativ, so gab es beispielsweise das Projekt einer „Informationstonne“ mit der die Stadtbibliothek auf öffentlichen Veranstaltungen in Helsinki präsent war. Großartige Idee eigentlich, die in der Praxis aber nicht so richtig funktioniert hat. Wahrscheinlich ist ein Auskunftsinterview nichts, dass die NutzerInnen im öffentlichen Raum führen wollen?

Ansonsten handelte der Vortrag vom „Ask Anything“ Service der Stadtbibliothek. Interessant ist, dass dieser Dienst eben nicht „Ask A Librarian“ heißt, nach Meinung einiger KollegInnen hat gerade das Fehlen des Begriffs Bibliothek dazu geführt, Hemmschwellen abzubauen und damit zum Erfolg des Dienstes beigetragen. Auch das Fragenspektrum ist dadurch sehr breit, so wurde etwa auch gefragt wie man einen Knopf annäht.

Die Stadtbibliothek hat auch eine sehr interessante Kooperation mit dem öffentlichen Radio. Dort läuft eine zehnminütige Sendung, in der BibliothekarInnen Anfragen der HörerInnen beantworten. Im Stadtradio gibt es auch eine Kooperationssendung „Secrets of Helsinki“ in der die Stadtbibliothek interessante Fakten zur Stadt präsentiert.

Auf der kommenden, neuen Website von „Ask Anything“ gibt es ein Fragenarchiv, in dem die NutzerInnen Antworten kommentieren und bewerten können. Dies kann unter Umständen auch dazu führen, dass eine Nutzerantwort besser als die der Stadtbibliothek bewertet wird..

An die BibliothekarInnen hat dieser Dienst auch neue Anforderungen gestellt: weg von den ausführlichen, enzyklopädischen hin zu den kurzen, knackigen Antworten um die Leute nicht mit Informationen zu erschlagen.

Der nächste Vortrag war Does GENERATION Google REALLY need us? von zwei Kollegen aus Hongkong. Interessant war etwa eine Umfrage zum Vergleich der Wichtigkeit von Bibliotheksdienstleistungen 2005-2011. Bei den HochschullehrerInnen war der Auskunftsdienst die einzige Dienstleistung die über die Jahre weniger wichtig geworden war (bei den Studierenden waren das auch noch andere).

Eine anthropologische Studie unter College-StudentInnen kam zum Schluss, dass für diese Beziehungen die auf Einfluss und Familiarität beruhen wichtig sind und zu BibliothekarInnen eben keine Beziehung besteht.

Nach einem Programm an der Universität, in dem die Bibliothek in die Lehre integriert wurde, hat sich das geändert und die Anzahl der „higher level questions“ ist gestiegen.

Den nächsten Vortrag hatte die Bibliothekarin der „Itinerant Poetry Library“, die auch beim letzten Bibcamp in Köln war: Reference Librarianship on the Fly: taking the Librarian out of the Library. Interessanter Vortrag, es ging um Bibliotheksarbeit außerhalb der Bibliothek. Angefangen vom „Open Air Lesesaal“ der New York Public Library, bis hin zur „radical reference“ bei Demos und Festivals oder der „Occupy Wall Street“ Library (Ich hatte dazu auch einmal eine Stimme geschrieben).

Auch eine „Mile High Reference Library“ wurde vorgestellt, dort kann man im Flugzeug z.B. Infos über das Zielland bekommen. Das Projekt wurde allerdings inzwischen eingestellt.

Allen diesen Ansätzen ist gemein, dass es einfach eine andere Qualität im Umgang mit den BenutzerInnen gibt, wenn das gewohnte Umfeld der Bibliothek verlassen wird.

Danach ging es wieder in die klassische Bibliothek zurück mit einem Vortrag zweier junger schwedischer Kolleginnen: How can we make our digital material more visible in the physical library? Das Problem bei digitalen Ressourcen ist, dass die NutzerInnen in die Bibliothek kommen, an den BibliothekarInnen vorbei zum Regal gehen und damit einfach nicht mitbekommen, welchen tollen E-Book Bestand es gibt.

2010 wurden in deren Bibliothek E-Books nur von einem Drittel der NutzerInnen genutzt. Übrigens auch nicht von den BibliothekarInnen selber. Daher gab es ein kleines Nebenprojekt: die MitarbeiterInnen bekamen die „Hausaufgabe“ ein E-Book auf einem beliebigen Endgerät zu lesen und tauschten sich danach in einem „Runden Tisch“ darüber aus.

Danach wurden zur Verbesserung der Sichtbarkeit von elektronischen Ressourcen kleine, billige Fotoframes mit Präsentationen in die Regale gestellt (oder an die Wand geschraubt). Auch QR-Codes wurden innerhalb und außerhalb (Plakate am Campus, der QR Code lud dazu ein, sich an der Infotheke eine Geschenktüte abzuholen) der Bibliothek eingesetzt.

Das Projekt war auch ziemlich erfolgreich, der Anteil von E-Book NutzerInnen ist auf zwei Drittel angestiegen.

Der letzte Vortrag handelte von einer SMS-Auskunft an einer kalifornischen Universität: If we build it, will they come? Understanding reference users in the age of texting. Für Faktenfragen eignen sich SMS ganz gut, die Anforderungen an die Antwortzeiten sind allerdings relativ hoch. Die NutzerInnen erwarten in der Regel eine Antwort innerhalb von 20 Minuten.

Written by Peter

August 15, 2012 um 9:56 am

Veröffentlicht in Konferenzen, wlic2012

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