Hatori Kibble

Jo eh…

DIY Fernleihe – die dunkle Seite der Macht

with 3 comments

Nach dem letzten technischen Post, wieder einmal etwas Bibliothekarisches…

Logo der "Pirate University"

Logo der „Pirate University“

Wenn man sich die bibliothekarischen Dienstleistungen so anschaut, dann haben wir es eigentlich überall ganz gut geschafft, uns auf den Medienwandel einzustellen: wir lassen unsere StudentInnen in Datenbanken recherchieren, betreiben Hochschulschriftenserver, verleihen E-Books, digitalisieren alte Schriften…

Eine große Ausnahme gibt es allerdings: die Fernleihe. Gut, der Vorgang an sich ist rasant beschleunigt worden. Dank SLNP werden zwar innerhalb weniger Sekunden potentielle Lieferbibliotheken abgeklappert, aber es geht halt doch noch „nur“ um physische Bücher.

In der Aufsatzfernleihe wurde – infolge der Urheberrechtsnovelle –  das Rad sogar wieder zurückgedreht und die elektronische Auslieferung an die EndnutzerInnen gestoppt. Immerhin gibt es dort erste Ansätze Artikel aus E-Journals in die Fernleihe zu bringen, bei E-Books sieht es allerdings noch düster aus. Anscheinend wurde ein entsprechender DFG Antrag einiger Verbünde vor kurzem unter anderem mit der Begründung abgelehnt, dass kein wirklicher Bedarf für die Ausleihe von E-Books bestehen würde.

Angesichts der Tatsache, dass der Anteil von E-Books in der Erwerbung steigt und damit immer größere Bestände von der Fernleihe abgekoppelt werden, ist das zumindest eine interessante Annahme.

Aber Handlungsbedarf besteht, denn unsere NutzerInnen sind gerade dabei, sich Alternativen zu einer klassischen bibliothekarischen Dienstleistung aufzubauen.

Zwei Formen solch einer „Untergrund-Fernleihe“ sind mir in letzter Zeit aufgefallen:

#icanhazpdf

Auf Twitter gibt es Hashtag #icanhazpdf über den um Zusendung von elektronischen Zeitschriftenaufsätzen gebeten werden kann:

#icanhazpdf is a Twitter hashtag used to coordinate the exchange of scholarly papers. Suppose that Alice needs a certain journal article for her research, but neither Alice nor her employer have a subscription to the journal which contains it. (Alice could be a research scientist at a small nonprofit organization, or even a cancer patient trying to educate herself about her disease.) The article is not Open Access, nor is it available in an institutional repository, nor does a version exist on PubMed Central or the arXiv. Alice posts a link to the paper on her Twitter account, marking it with the „hashtag“ #icanhazpdf. Anyone who notices checks to see if they have access, such as via their university’s institutional subscriptions, and if they do, they download the article and send it to Alice. In February 2012, it is becoming standard practice to delete the request tweet after the request has been fulfilled.

(Quelle)

In einem amerikanischen Science-Blog gibt es dazu übrigens eine interessante Diskussion, ob das jetzt einfach nur eine simple Urheberrechtsverletzung oder aber ein Akt des zivilen Ungehorsams gegenüber den großen Verlagen ist.

Pirate University

Ja schon klar, Piraten sind cool.. Das Blog „Walking Paper“ hat darüber im Mai berichtet:

The Pirate University is ILL organized by library users and fulfilled via the web. Request an article to which you don’t have access and someone with access might just upload it for you.

Im Unterschied zum Twitter Hashtag, kann man auf dieser Seite auch sehen, wie viele Gesuche es gibt und wie erfolgreich diese sind. Ich würde einmal grob sagen, 40-50% der angefragten Artikel werden auch gefunden.

Unten auf der Seite findet sich dann noch ein Satz, der etwas schmerzt:

A similar service is available between libraries as „Interlibrary loan“ or ILL-service. However, these schemes are slow and expensive.

 

Written by Peter

Juli 31, 2012 um 8:48 pm

Veröffentlicht in Soziale Netzwerke

Tagged with , ,

3 Antworten

Subscribe to comments with RSS.

  1. […] werden können. Müssen sich die Nutzer wissenschaftlicher Bibliotheken demnächst selbst helfen? Hatori Kibble hat bereits Anzeichen dafür […]

  2. […] Jessamyn West verlinkt auf einen Artikel, der BibliothekarInnen dazu ermutigen soll, sich mal Reddit anzuschauen, um zu sehen, wie dort NutzerInnen Informationen austauschen. (Mit /r/Scholar gibt es dort übrigens auch eine weitere Form der DIY-Fernleihe.) […]

  3. […] Genauso schreibe ich auch darüber, was passiert, wenn Leute sich über Twitter ihre eigene Fernleihe bauen oder sich Bibliotheken bei Hackerspaces oder Alternate Reality Games engagieren. Ich schreibe […]


Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: