Hatori Kibble

Jo eh…

Die Bibliothek als Hackerspace

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Gestern gab es im Makezine Blog einen spannenden Artikel von Philipp Torrone, der sich mit der zukünftigen Rolle der Bibliotheken beschäftigt:
Is It Time To Rebuild & Retool Public Libraries And Make “TechShops”?

To me, public libraries — the availability of free education for all — represent the collective commitment of a community to their future. They symbolize what is most important, a commitment to educating the next generation. The role of a public library should also adapt over time, and that time is finally here. It’s time to plan how we’re going to build the future and what place public libraries have, should have, or won’t have. The goal of this article is to get everyone talking about one of our great resources, the public library, and its future.

Etwas aufgeschreckt durch den Bankrott der zweitgrössten Buchkette in den Vereinigten Staaten, denkt der Autor  über die zukünftige Rolle der Bibliothek nach. Die Funktion als gigantischer Bücherspeicher ergibt für ihn nicht mehr wirklich viel Sinn und auch die Zeit, als die Bibliothek das „lebendige Internet“ war ist vorbei, weil der Zugang zum Netz immer selbstverständlicher geworden ist.
Seine Perspektive ist, dass sich die Bibliothek immer mehr in Richtung „Werkstätte“ (i.O. ‚factory‘ hier etwas freier übersetzt) entwickelt, in eine „Werkstätte“ die Leute dabei unterstützt zu lernen und neue Dinge zu produzieren.

Also in einen Ort der relativ ähnlich zu den bereits existierenden Formen von Hackerspaces, Fablabs oder TechShops.
Die Varianten werden im Text erklärt hier nur eine kleine Definition zum Hackerspace aus der Wikipedia:

Ein Hackerspace (von Hacker und Space, engl. für Raum) ist ein physischer, oft offener Raum, in dem sich Hacker und Interessierte treffen und austauschen können. Mitglieder mit Interessen an Wissenschaft, Technologie und digitaler Kunst organisieren sich meist in Vereinen.
Typische Aktivitäten sind Do it yourself und Workshops, Öffentlichkeitsarbeit durch Präsentationen, Vorführungen und Vorträge, soziale Aktivitäten wie das Teilen von Wissen und gemeinsames Lernen, und die Organisation von Partys und Spielen. Hackerspaces stellen hierfür eine Infrastruktur bereit, vor allem Strom, Internetzugänge, Netzwerkverbindungen, Werkzeuge und Getränke.

Der Artikel enthält auch einen ausführlichen statistischen Teil über das System der öffentlichen Bibliotheken in den USA (Wieviele gibt es? Was kostet deren Erhaltung? Wofür wird Geld ausgegeben? etc.. Es gibt auch einen kleinen Verweis auf die McNair Geschichte, die ich meinem anderen Blog schon mal hatte.)

Für den Autor ist das Angebot der öffentlichen Bibliotheken großteils obsolet und z.B. nicht mit der Servicequalität eines Kindle-Downloads zu vergleichen.

Der öffentliche Lernort den der Autor besucht ist der Hackerspace.
Bibliotheken könnten nun auch solche Ressourcen werden (es gibt sogar schon Bibliotheken in den USA, die Werkzeug verleihen):

I think public libraries are one of those “use it or lose” it things we have in a society. Given the current state of budgets all over the USA, I think unless they’re seen as the future, we might just lose them.

  • How can we encourage American innovation?
  • How can we get kids access to laser cutters, CAD, 3D printers, and tools to design and build?
  • How can we train each other for the jobs and skills needed in the 21st century?
  • How can we spark the creativity and imagination of kids?
  • How can America be a world leader in design and engineering?

I think many of these things could be helped by the re-tooling of one of our greatest resources, the public library. It wouldn’t be easy, but that’s the point — it would be a challenge and worth doing.

Natürlich spricht Philipp Torrone aus einer relativ privilegierten Sicht eines gut ausgebildeten Informationsarbeiters, der das nötige Kleingeld hat um sich seine Bücher einfach via Kindle zu besorgen. Für viele KollegInnen in den öffentlichen Bibliotheken stellt sich die Situation sicherlich anders da. In den Kommentaren spricht er sich aber dezidiert dafür aus, dass diese Angebote natürlich nur zusätzlich zu den bestehenden Dienstleistungen gemacht werden sollten.

Insgesamt ist es natürlich ein spannender Ansatz das große Schlagwort vom „Lernort Bibliothek“ herzunehmen und mit neuen Konzepten zu füllen. Auch einige BibliothekarInnen äußern sich in den Kommentaren zum Artikel und führen z.B. aus, dass ja einiges an Aktivitäten bereits in die Richtung geht:

Just as hackers have battled with the negative media connotations of the word, „hacker“, public libraries are constantly having to battle with the stereotype of being a labelled as an „warehouse for books“.
I hope that those leaving comments will have visited a library recently because many libraries offer more than just print materials. Often remote, electronic access to ebooks, audiobooks, newspapers, magazines and research journals are offered. (In response to johngineer)Event programming has existed for quite a while in a variety of forms ranging from smaller computer workshops to larger author events (ex. Steven Levy of Wired will be visiting my own library next month). Homework assistance is a staple at several libraries and staff/volunteers often help kids with math and science homework. Additionally, the availability of meeting room space and free wi-fi have allowed for user groups to utilize the library as a convenient neighborhood meeting spot (my local Linux SIG met for years at a branch location).
However, lets circle back to the question of whether the public library needs to be rebuilt. I would agree with Mr. Torrone that a revamping is healthy, but I would add that the local community needs to help define the change. Libraries were intended to further the intellectual development of the surrounding communities. Books used to be the only way to do so, but that isn’t the case anymore. To that end, integrating a makerspace, fablab and so forth is a wonderful idea.

Wer sich für Hackerspaces interessiert dem sei ein Besuch z.B. im Metalab in Wien oder in der Kölner Dingfabrik empfohlen oder in einem der anderen 79 Orte in Deutschland.

Written by Peter

März 11, 2011 um 9:30 pm

Veröffentlicht in Allgemein, Texte

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2 Antworten

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  1. […] zukünftig Bibliotheken Werkstätten sein, die Leute beim Lernen und schreiben unterstützen? Hatori Kibble analysiert den Artikel von Philipp […]

  2. […] was passiert, wenn Leute sich über Twitter ihre eigene Fernleihe bauen oder sich Bibliotheken bei Hackerspaces oder Alternate Reality Games engagieren. Ich schreibe über neue Präsentationsformen für digitale […]


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