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Die SIGINT kütt!
Letztes Jahr hatte ich ja relativ begeistert von der SIGINT 12 berichtet und war besonders vom breiten Themenspektrum angetan…
Nun ist es wieder soweit: die SIGINT 2013 findet vom 5. bis zum 7. Juli im KOMED im Kölner Mediapark statt.
Organisiert wird die Tagung vom Chaos Computer Club und Ziel ist es, sowohl die technischen, als auch die sozialen Aspekte unserer digitalen Gesellschaft zu beleuchten.
Auch das heurige Programm ist wieder ziemlich divers: natürlich gibt es viele Sicherheitsthemen (Schwachstellen bei embedded devices, aber auch offline bei der Briefwahl), aber eben auch Vorträge zu Politik (EU-Datenschutzrichtlinie, Transparenzgesetze, ver.di erzählt etwas zu guter Arbeit) und Gesellschaft (Internet Meme, Trollfeminismus oder die Frage, warum in der deutschen Netz- und Hackerszene so viel gestritten wird).
An bibliothekarischen Anknüpfungspunkten habe ich diesmal im Programm weniger gefunden, aber zumindest Open Data scheint auch ein Thema zu sein.
Neben den eigentlichen Vorträgen gibt es noch Workshops (z.B. Programmieren für Kinder), lightning talks und einen “Capture The Flag”-Wettbewerb. Die Keynote wird heuer von Meredith L. Patterson gehalten, einer amerikanischen Software-Entwicklerin, Autorin und Biohackerin.
Rein formal finde ich an der Website auch ganz interessant, dass sie kollaborativ angelegt ist, aber nicht als Wiki sondern als Github-Repository. Interessierte können die Website forken und Änderungswünsche per Pull Request melden.
InetBib Tag 1: Datengestützte Wissenschaft mit öffentlicher Versionshistorie
Im Wikipedia Workshop behandelt: Einbindung von Wikimedia Commons Bildern: By Friedrich Petersdorff (Own work) [CC-BY-2.0-de], via Wikimedia Commons
Am ersten Tag begann die Konferenz mit den üblichen Grußworten und einer Keynote von Wolfgang Coy:
“Mit dem Wandel leben… Wissenschaft, Bildung und Informationelle Infrastruktur”
Coy zerlegt den Begriff “Bildung” in die verschiedenen Facetten: “lesen lernen”, “verstehen lernen”, “suchen & finden lernen”, “wissen” und “beurteilen lernen”.
Unterstützt wird die Bildung dabei durch die informationelle Infrastruktur: angefangen von Büchern und Zeitschriften, über öffentlich zugängliche Bibliotheken bis hin zu elektronischen Medien (vom Schulfunk angefangen).
Bei den neuen Medien wird der Redner dann doch etwas kulturpessimistisch: da kommt ein Kalauer zu Google Glass, Audiobücher bringen bei ihm die Literatur auf Konsumniveau und er zitiert eine Studie, nach der auf einer Website nur circa 18% des Textes gelesen werden.
Das kann man jetzt natürlich auch anders sehen: gut produzierte Hörbücher sind durchaus eigenständige Werke und das Informationsverhalten bei der Nutzung von Webseiten bedingt halt oft selektives Überfliegen.
Ansonsten führen die elektronischen Medien zu einem Verlust des Ortsbezuges (z.B. remote Nutzung von Bibliotheksressourcen) oder – im Gegenzug – gewinnen wieder durch den Ortsbezug (Smartphone Anwendungen die durch GPS Daten unterstützt werden).
Dann werden noch einige aktuelle Entwicklungen aufgezählt: cloud computing, 3D Drucker (,,Daten werden zu Materie”). Ein anderes Beispiel war noch “Big data”: datengestützte Wissenschaft, bei der das Erstellen von Theoriemodellen durch reine Datenkorrelation abgelöst wird.
Neben diesen ganzen technischen Entwicklungen gibt es aber auch noch ethische Herausforderungen: “Kampfzonen” in denen die offene Wissenschaft und Bildung gegen “geheime Forschung, überzogene Patente und Urheberrechte, dual use, unsoziale Bildungsschranken oder ideologische Schranken (z.B. den Kreationismus)” eintreten muss.
Endziel bleibt das Bildungsideal “Urteilskraft entwickeln” und dieses muss durch zeitgerechte, informationelle Infrastrukturen unterstützt werden.
“Paradigmenwechsel bei Wissensvermittlung wegen dynamischer Veränderungsprozesse” (Andreas Degwitz)
Inwieweit abgelesene Vorträge bei Konferenzen sinnvoll sind, sei dahingestellt. Bei dem schönen Wetter hätte man auch einfach Handouts verteilen können, damit die Leute sich das gemütlich in der Sonne durchlesen und danach entspannt beim Sektempfang darüber diskutieren können.
Inhaltlich fand ich es aber doch ganz interessant. Die Einleitung war, dass der Mensch immer schon Herausforderungen an die Technik auslagert, so eben auch das Gedächtnis. Das ist heute durch die elektronischen Medien relativ einfach, birgt aber auch ein gewisses Risiko.
Text als Träger des Wissens wird dabei durch die elektronische Speicherung einfach zum Datencontainer (die Daten liegen intern binär kodiert auf der Festplatte und werden dann der Bequemlichkeit halber in alphanumerischer Kodierung präsentiert). Elektronisch vorliegende Daten lassen sich technisch leichter verarbeiten und dies führt in der wissenschaftlichen Arbeit zu einer neuen Form der datengestützten Empirie, gerade auch in Fachgebieten die sich bisher eher mit der reinen Textinterpretation beschäftigt haben (Geschichte, Sprachwissenschaften). Degwitz sieht dies als neues Wissensparadigma (statt dem theorielastigen Arbeiten).
Dies hat natürlich auch Auswirkungen auf zukünftige Publikationen: Forschungsdaten sind ein wichtiger Teil und die Erleichterung der Weiterverarbeitung durch den elektronischen Zugriff (Repositorien, persistent identifiers, Strukturdaten, etc.).
Wissenschaftliches Arbeiten in der Zukunft (Daniel Mietchen)
Die Inhalte dieses Vortrages finden sich auf seiner Wikipedia Seite. Er wünscht sich: “long term goal: science with a public version history”.Ein schönes Beispiel dabei war die Forschungszusammenarbeit beim EHEC Ausbruch: ein Austausch der Forschungsdaten über konventionelle Kanäle (Artikel in Fachzeitschriften) hätte zu lange gedauert, daher wurden Gen-Analysen auf Github gestellt und damit konnte schnell, kollaborativ und nachvollziehbar gearbeitet werden.
Danach gab es vom Redner noch einen Wikipedia Workshop, dazu kommt noch ein separater Post…
SIGINT 2010
Leider kann ich selber nicht teilnehmen, trotzdem eine Empfehlung..
Am Pfingstwochenende (22. – 24. Mai 2010) findet in Köln die SIGINT 2010 statt. Veranstaltet wird das Ganze vom Chaos Computer Club und soll eine “Konferenz für Hacker, Netzbewohner und Aktivisten, die sich mit den Auswirkungen der sich ändernden IT-Landschaften auf und durch die Gesellschaft befassen werden”.
Die Selbstbeschreibung geht dann leicht in’s Poetische:
Die Welt der Atome und die Welt der Bits funktionieren nach vollständig unterschiedlichen Prämissen. Dort, wo sie aufeinander stoßen (und das geschieht in letzter Zeit immer häufiger) ergeben sich für die Gesellschaft Spannungen, Chancen und Chaos, das es zu erforschen gilt.
Die Bedeutung von immateriellen Gütern nimmt immer weiter zu, während die Produktionskosten sinken. Traditionelle Märkte verlangern sich in den virtuellen Raum, die Musikindustrie verdient ihr Geld mit Handytönen und Ideen kommen direkt aus dem 3D-Drucker, während liebgewonnene soziologische Begrifflichkeiten zum World Processing wie die Arbeiterklasse komplett nach China ausgesourct werden. Identitäten werden in sozialen Netzwerken jenseits von Nationen und Geschlechtern konstruiert und trotzdem gibt es immer noch die Welt der Dinge und der Internetausdrucker als allzu gegenwärtigen Gegenpol. Es ist grade dieser Verlust von Schranken der einerseits den totalen Überwachungsstaat ermöglicht und andererseits den Individuen bisher unbekannte Möglichkeiten der Entfaltung bietet, bis zum Horizont und viel weiter.
Es geht um neue und alte Räume. In der digitalen Gentrifizierung, in der Auseinandersetzung um die Grenzen der Stadt – dort wo es das neue und das alte sich begegnen findet ein Machtkampf statt. Burn the land and boil the sea, you can’t take the Net from me: Es ist diese Frontier und ihr Spirit, die treibende Kraft hinter Fortschritt und Reaktion, die uns auf der SIGINT beschäftigt. Es geht um Verstecke und Ninjas, offene Meere und Piraten, aber besonders um die Konsolen-Cowboys, -Cowgirls und wen auch immer und um das grenzenlose Neuland, wo Signale nicht zu stoppen sind und die Sonne niemals am Monitor spiegelt.
Im Programm geht es dann um so Themen wie die Kulturflatrate, ELENA, den Datenbrief, Frauen in der Geek Culture, anonyme Internetkommunikaton etc.. Also alles hochspannende Themen..
#bibtag10 kommt..
Nächste Woche beginnt der “4. Leipziger Kongress für Information” (Facebook, Twitterbeiträge).
Schon die Auftaktveranstaltung klingt bereits hochinteressant (übrigens von der Zukunftswerkstatt organisiert):
The Hyperlinked Community Library - Trends, Tools & Transparency
Michael Stephens, River Forest
Eine Veranstaltung der Zukunftswerkstatt in Zusammenarbeit mit der US Botschaft
Moderation: Hans-Christoph Hobohm, Potsdam
Stephens ist Assistant Professor in the Graduate School of Library and Information Science at Dominican University in River Forest, Illinois und betreibt seit 2003
das sehr lesenswerte Blog “Tame The Web”. Dessen tagline “Libraries, Technology and People” beschreibt den Inhalt eigentlich eh schon sehr treffend.
Über das Blog kann man übrigens auch schon die Folien zur Präsentation finden, aber da Stephens auch einen “presentation zen”-artigen Ansatz verwendet sind die Folien natürlich kein Ersatz, sondern machen eher neugierig auf den Vortrag…
Ansonsten natürlich wieder jede Menge spannende Themen im Programm: Wie ist der Stand zu RDA?, Literaturverwaltung als Serviceangebot, was zur Berufsethik (in Deutschland ist das ja sehr suboptimal gelaufen..), Kooperationen in der Fernleihe, Beluga und KUG, PaperC, etc..
Und natürlich nicht zu vergessen: der Festabend in der Moritzbastei.
Kurzer Marketingeinschub in eigener Sache noch: Am Dienstag um 13:30 werde ich am hbz-Stand (Ebene 1, Stand +11) etwas zur neuen Version der DigiAuskunft erzählen. Durch eine Aktualisierung der zu Grunde liegenden OTRS Version gibt es einige nette neue Features für die teilnehmenden Bibliotheken.
Vorankündigung: 50. KRIBIBI Tagung
Da ich gerade die Homepage aktualisiert habe eine kleine Vorankündigung:
Vom 6. bis zum 8. November findet das 50. Seminar des Arbeitskreises kritischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare im Rennerinstitut (KRIBIBI) statt.
Bibliothek als kritischer Raum
Buch und Demokratie standen von jeher in enger wechselseitiger Beziehung. Heute findet der Zugang zu Bildung, Wissen und kritischer Auseinandersetzung mit der Gesellschaft über eine Vielfalt von Trägermedien statt. Bibliotheken sind als öffentliche Plätze und soziale Räume gefordert: Chancengleichheit bei der Informationsvermittlung, das Recht auf freie Meinungsäußerung, freie Forschung und politische und kulturelle Teilnahme an der Demokratie müssen durch bibliothekarische Arbeit unterstützt werden.
Aktuelle Transformationsprozesse im Informationswesen werfen die Frage der Verortung von Bibliotheken auf. Das 50.Seminar des Arbeitskreises kritischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare im Renner-Institut KRIBIBI möchte sich deshalb auch mit dem künftigen Standort kritischer Bibliotheksarbeit auseinandersetzen.
Das vollständige Programm wird später auf der KRIBIBI Seite veröffentlicht.
Die letzte Tagung hatte ich ja auch kurz hier erwähnt, dazu ist jetzt ein Artikel von Heimo Gruber verfügbar.
Wer mehr von den KRIBIBIs hören will kann sich auch in die Mailingliste eintragen.
KRIBIBI Frühjahrstagung: “Angriff auf die historische Erinnerung”
Nachdem mich die “Library Mistress“ mit Ihrem in Kürze etwas unter Druck gesetzt hat, habe ich eben die Tagungsseiten auf der KRIBIBI Homepage aktualisiert.
Die KRIBIBIs sind der “Arbeitskreis kritischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare im Renner Institut“, eine Gruppe von BibliothekarInnen die sich seit 1983 trifft und vornehmlich mit sozialer Bibliotheksarbeit beschäftigt (ähnlich der Akribie in Deutschland).
Zweimal im Jahr finden Tagungen zu verschiedenen Themen statt, die Frühjahrstagung trägt den Titel “Angriff auf die historische Erinnerung”:
Politische Strategien mit antidemokratischen, rechtsextremen, geschichtsrevisionistischen, rassistischen, antisemitischen und weltverschwörerischen Inhalten bedienen sich einer Vielfalt traditioneller und moderner Medien. Damit sind auch Bibliotheken als klassische Orte der Informationsvermittlung herausgefordert.
Wie gehen Bibliothekarinnen und Bibliothekare mit jenen Tendenzen um, die unter dem Vorwand der “Meinungsfreiheit” die Demokratie mißbrauchen?
Neben einer Podiumsdiskussion (u.a. mit Erich Hackl und Susanne Scholl) gibt es verschiedene Vorträge und Workshops zum Thema.
Schmutz und Schund und so..
natürlich nur im bibliothekarischen Sinn.
Ich habe den Tagungsbericht zur letzten KRIBIBI Tagung im November
Giftschrank oder Freihand?
Über “Schmutz und Schund” in Bibliotheken
Im bibliothekarischen Alltag bewegen wir uns immer an der Grenze zwischen Auswahl und Zensur, im Spannungsfeld von Bildungsanspruch und Entlehnzahlen.
Die bibliothekarische (Be-)Wertung verschiedener Genres oder Medientypen und der literarische Anspruch verändern sich aber mit der Zeit: Thekenbibliotheken, in denen die BibliothekarInnen bestimmten, was den LeserInnen zumutbar sei, gehören der Vergangenheit an. Science Fiction-Literatur, Comics und Computerspiele galten lange Zeit als nicht sammelwürdig, sind heute aber aus dem Bestand vieler Bibliotheken nicht wegzudenken.
Der Umgang mit erotischer Literatur aus dem “Giftschrank” wurde früher nur verheirateten, moralisch gefestigten Bibliothekaren fortgeschrittenen Alters zugemutet.
hochgeladen. Die Printversion ist in den Büchereiperspektiven 04/08 erschienen.




