Hatori Kibble

Jo eh…

E-Book Freitag II

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Beim zweiten Eintrag in dieser Serie gibt es sogar einen Bibliotheksbezug, aber dazu später mehr…

Heute wage ich mich in das Feld der Creative Commons lizenzierten Bücher. Auch wenn dieser Bereich noch überschaubar ist, so wächst doch die Anzahl der Autoren, die – entweder parallel zur herkömmlichen Printausgabe oder ausschließlich – ihre Texte elektronisch unter einer Creative Commons Lizenz zur Verfügung stellen.

Einer der ersten war Cory Doctorow, welcher bereits 2003 seinen Roman “Down and Out in the Magic Kingdom” zusätzlich zur Printausgabe auch elektronisch unter einer CC Lizenz veröffentlichte. Das Interessante daran ist, dass auch der Heyne Verlag (bzw. die Muttergesellschaft Random House) nachzog und die deutsche Übersetzung ebenfalls frei verfügbar machte. (Übrigens halfen Mitglieder der österreichischen Netzkünstler Monochrom bei der Übersetzung mit, um Entsprechungen für den “netspeak” des Buches zu finden.)

Neben seiner Tätigkeit als Schriftsteller ist Doctorow im Internet vor allem als Mitbetreiber des Blogs BoingBoing bekannt und brachte es sogar auf Cameo Auftritte im populären xkcd Comic.

Vorstellen möchte ich heute “Little Brother”, sein jüngstes Buch, das mehrere Preise gewann und auch für den Hugo Award – einem der bedeutendsten Preise für Science Fiction und Fantasy Literatur – nominiert wurde.

Außerdem stieg “Little Brother” auf Platz 9 der New York Times Bestseller-Liste ein und hielt sich auch dort einige Wochen, allerdings im Kinderbuch Bereich… Von dieser Kategorie sollte man sich aber nicht abschrecken lassen, im Englischen wird dieses Buch als “young adult novel” charakterisiert und ist durchaus auch für höhere Altersgruppen mit Gewinn zu lesen.

Worum geht’s? Im Prinzip um eine beklemmende Aktualisierung von “1984”. Hier eine kurze Inhaltsangabe aus der Wikipedia:

Der Inhalt des Romans ist die fiktive Geschichte des Schülers Marcus Yallow, der nach einem Terroristenanschlag in San Francisco durch die Heimatschutzbehörde (= Department of Home Security – kurz DHS) festgenommen, verhört und gefoltert wird, da er Hobbyhacker ist und sich weigert seine privaten Passwörter preis zu geben. Als er nach einigen Tagen zurückkommt bemerkt er, dass sein Laptop manipuliert wurde, und er von einem Tag auf den anderen zu einem gläsernen Menschen wurde. Als Reaktion darauf erklärt er dem DHS den “Krieg”. Außerdem wird sein Freund Darryl der in der Panik nach dem Anschlag verletzt wurde noch immer vermisst.

Mittels einer Distribution von Linux (ParanoidLinux – fiktiv!) gründet Marcus das sogenannte Xnet, ein Kommunikationsnetzwerk das der “Widerstandsbewegung” (Xnetter) eine verschlüsselte Kommunikation ermöglicht. Da die gesamte Stadt durch ein Überwachungssystem ununterbrochen beobachtet wird, findet Marcus schnell eine Schwachstelle: Wenn zu viele “Fehlalarme”, ausgelöst durch ungewöhnliche Bewegungsprofile, gegeben werden, bricht das System zusammen. Und so veröffentlicht er im Xnet eine Anleitung, wie man solche Fehlalarme provozieren kann (nämlich durch auslesen und verändern der FasTrack-Karten – einer Art “automatischer Stadt-Maut-Karte”).

Als der Kollaps kurz bevor steht, begreift das DHS die Sabotage und versucht gegen das Xnet vorzugehen, die jetzt auch als Terroristen angesehen werden. Das Xnet wird von DHS-Agenten infiltriert und ebenfalls überwacht, wodurch Marcus gezwungen wird das Medium zu wechseln und gründet ein Web-Of-Trust.

Marcus hat nur mehr eine Wahl: Er muss seine Geschichte veröffentlichen. Nach einem ersten gescheiterten Versuch, bei dem seine Aussagen nach belieben der jeweiligen Zeitung (sehr zu seinem Nachteil) interpretiert werden, bittet er Barbara Stratford, eine Reporterin, die Wahrheit zu veröffentlichen.

Mit Barbara Stratfords Hilfe schafft es Marcus schlussendlich die Stadt von dem DHS und seinen Freund Darryl aus der Gefangenschaft des DHS zu befreien.

Dieses Buch ist wirklich spannend und – erschreckend – realistisch geschrieben und gut recherchiert. Dadurch bekommt die Leserin/der Leser neben dem Lesevergnügen noch eine gute Einführung in die Funktionsweise von RFID Scannern, Verschlüsselungssystemen und Techniken zum anonymen Surfen mit TOR.

Veröffentlicht ist das Buch wie gesagt unter der Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 3.0 Lizenz, dies erlaubt unter anderem nicht-kommerzielle Remixe und so ist auch schon eine deutsche Version (PDF) erschienen.

Herunterladen kann man sich “Little Brother” am besten von der Homepage des Autors. Der Text steht dort in über 20 Formaten von ePub bis Microsoft Reader zu Verfügung.

Allen die die elektronische Ausgabe gelesen haben und trotzdem den Autor finanziell unterstützen wollen bietet Doctorow eine interessante Variante der Kompensation an: Bibliotheken und Schulen die gerne Printexemplare dieses Buches für ihre Einrichtungen haben wollen, können sich melden.

If you enjoyed the electronic edition of Little Brother and you want to donate something to say thanks, check below to find a teacher or librarian you want to support. Then go to Amazon, BN.com, or your favorite electronic bookseller and order a copy to the classroom [...]

Das wäre eventuell auch eine Option für Bibliotheken in Deutschland. Ungarn oder Norwegen stehen schon auf der Liste, nach England wurden über dieses Programm schon Bücher versandt.. Insgesamt wurden bereits über 280 Bücher auf diese Weise gespendet.

Noch ein Hinweis: Ich bin immer auf der Suche nach interessanten Quellen für E-Books. Also wenn die p.t. LeserInnen noch Tipps haben, bitte einfach in den Kommentaren posten!

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Written by Peter

September 4, 2009 at 6:35 vormittags

Veröffentlicht in E-Book Freitag, E-Books

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2 Antworten

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  1. [...] Doctorow hatte ich anlässlich seines vorletzten Buches „Little Brother“ schon einmal vorgestellt. „For The Win“ ist für die nächste Zugfahrt vorgemerkt, daher kann ich selber noch [...]

  2. […] oder The Big Bang Theory schauen, kennen ihn vielleicht), mit “Little Brother”  (in diesem Blog schon einmal besprochen) wieder einen Roman von Cory Doctorow, oder mit “Boneshaker” einen Steampunk-Klassiker […]


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