Einrad in der Bibliothek ausleihen? Kein Problem!
Als ich im August bei der IFLA in Helsinki war und gehört hatte, dass man in der dortigen Stadtbibliothek “Nordic Walking”-Stöcke ausleihen kann, dachte ich “Na ja, das ist halt Skandinavien, und das dortige Bibliothekswesen..” – und dann besuchte ich neulich die Pfarrbücherei Aschach an der Steyr…
Bereits seit 2012 kann man dort nämlich sogenannte “Outdoor-Spiele” ausleihen. Die Palette reicht dabei von Stelzen, Jongliertüchern, Slacklines, Boccia-Kugeln bis hin zum Einrad.
Das ist natürlich eine nette Serviceleistung, um neue Aktivitäten einfach mal auszuprobieren, auch für Kindergeburtstage wird dieses Angebot gerne genutzt.
Neulich im Feedreader… (Teil I)
Ein paar Links die mir in letzter Zeit aufgefallen sind. Da dies der Anfang einer wunderbaren Serie sein könnte hänge ich mal das “Teil I” dran..
- Der “re:publica Reader”
Eigentlich eine nette Idee: SchülerInnen der Deutschen Journalistenschule haben jeden Tag einen kleinen Reader mit Interviews und Beiträgen zu den Vorträgen gestaltet. Die E-Books waren am jeweils darauffolgenden Tag kostenlos zum Download verfügbar, jetzt muss man dafür EUR 2,99 zahlen.
Die Gratisvariante habe ich gerne mitgenommen, ansonsten wäre mir der Mehrwert gegenüber der Berichterstattung in Blogs und Medien wahrscheinlich nicht das Geld wert… - Die “re:publica Videos”
Dankenswerterweise sind Videoaufzeichnungen der Vorträge und Panels auf Youtube verfügbar. Genau das Richtige für langweilige Feiertage oder wenn wiedermal nur Fußball im Fernsehen kommt..
Aus bibliothekarischer Sicht vielleicht interessant, dass es auch Vorträge zum Thema Digital Humanities und Open Access gab (die restlichen Präsentationen dazu kommen hoffentlich noch).
Und für Leute die der Tagung nichts abgewinnen können ein alternatives Republica-Video. - “Who are your guys?” some radical librarian resources
Jessamyn West hat da ein paar interessante Links zusammengetragen (über “radical reference” hatte ich ja schon mal eine Stimme geschrieben) - Use These Secret NSA Google Search Tips to Become Your Own Spy Agency
Ein Wired-Artikel über ein Handbuch der NSA, das Auskunft über deren speziellen Google Suchabfragen gibt (etwa: “russische Exceltabellen mit Passwörtern”). Für uns BibliothekarInnen sollten allerdings die Google-Suchoperatoren eh nichts Neues mehr sein..
- No excuse for boring an audience: Advice on giving technical presentations
Garr Reynolds hat auch das wunderbare “Presentation Zen” geschrieben und dieser Blogpost sollte jeder Referentin/jedem Referenten auf dem Bibliothekartag als Pflichtlektüre vorgeschrieben werden. - Raspberry Pis hide narrative in the city to complete offline book
Passt irgendwie zu meinem letzten Post zum Alternate Reality Game und es geht auch um den Raspberry Pi..
Weg vom Google Reader
Wie inzwischen allgemein bekannt, ist der Google Reader einem Frühjahrsputz zum Opfer gefallen und wird mit 1. Juli 2013 eingestellt. Schön langsam wird’s also Zeit sich nach Alternativen umzusehen…
Da es unlängst auf Twitter eine kleine Umfrage gab, möchte ich einmal kurz meine Wahl vorstellen: Tiny Tiny RSS.
Vor einiger Zeit bin ich ja schon weg von Google Calendar, Google Contacts und Dropbox (so halb..) hin zu ownCloud auf dem eigenen Server (frischer re:publica Vortrag zu ownCloud). Von daher lag es nahe, auf dem Raspberry Pi auch einen eigenen RSS Reader zu betreiben.
1. RSS Abos exportieren
Über Google Takeout lassen sich die eigenen Subskriptionen einfach im OPML-Format exportieren.
Der Download besteht dann aus einer ZIP-Datei. Diese enthält mehrere JSON-Dateien (mit Daten etwa zu markierten Einträgen) und die subscriptions.xml (mit den eigentlichen Abos).
2. Tiny Tiny RSS installieren
Hier bin ich im Wesentlichen einfach der Anleitung von Marco Heizmann gefolgt.
3. RSS Abos importieren
Wenn das geklappt hat, kann man über “Einstellungen >> Feeds >> OPML” die subscriptions.xml importieren und damit die eigene Feed Sammlung übertragen.
Wer neben den Feeds auch noch die markierten und geteilten Einträge aus dem Google Reader importieren will, kann das über das googlereaderimport-Plugin machen.
4. Feeds lesen
Seine Feeds kann man jetzt entweder über die Weboberfläche oder über eine Android-App lesen.
Bei den Apps gibt es eine offizielle Version bei der man den Entwickler mit € 1,52 unterstützen kann/muss, oder eine inoffizielle Version die gratis ist.
Fazit
So ein Raspberry Pi ist natürlich nicht mit einem Google Rechenzentrum zu vergleichen, das Aktualisieren der Feedlisten könnte manchmal ruhig etwas schneller gehen. Aber im Großen und Ganzen klappt das alles sehr gut, ich bin seit Ende April umgestiegen und bisher sehr zufrieden.
Alternate Reality Game der Toronto Public Library
Zu Beginn eine kleine Empfehlung: Boing Boing sollte man unbedingt im Feedreader haben, wenn man sich dafür interessiert “was sich im Internet grad so tut”. Auch für BibliothekarInnen ist das immer wieder interessant, beispielsweise gab es im Dezember einen Artikel mit dem schönen Titel “Interlibrary Loan is awesome” und dem Zitat:
Interlibrary loans are a wonder of the world and a glory of civilization.
Auch über das Verfahren gegen unseren Kollegen Dale Askey wurde schon in diesem Blog berichtet.
Heute bin über einen Artikel gestolpert, der über ein Alternate Reality Game der Toronto Public Library berichtet. Wikipedia weiß, dass Alternate Reality Games (oder ARGs), “auf verschiedene Medien zurückgreifende Spiele sind, bei denen die Grenze zwischen fiktiven Ereignissen und realen Erlebnissen bewusst verwischt wird”.
Die Bibliothek beschreibt das Spiel so:
Players are invited to join the Literary Resistance by completing a series of missions. By helping complete these missions, players will help prevent the dystopian future prophesized in Bradbury’s novel.
Mehr dazu erfährt man auf dem Blog der Bibliothek in einem Interview mit dem Designer.
An sehr grob vergleichbaren Projekten fallen mir nur die Geocaches der UB Marburg ein, dort gab es ein paar Rätselcaches zu Bibliotheksthemen. Das Projekt wurde in einem Vortrag beim Bibliothekartag 2011 vorgestellt.
InetBib Tag 3: jQuery und aus!
Wichtigster Programmpunkt am letzten Tag der Tagung war für mich der jQuery-Workshop von Uwe Dierolf.
jQuery ist eine JavaScript Programmbibliothek, die es relativ einfach ermöglicht dynamische Funktionen für Webseiten zu implementieren. Dies erlaubt es etwa, sich in die Oberflächen von den eigenen Katalogen “einzuhängen” und diese benutzbarer zu machen oder um eigene Funktionen zu erweitern. Als Beispiel wurde die Primo-Installation am “Karlsruher Institut für Technologie” genannt. Dort wurden etwa die Verfügbarkeitsanzeige, virtuelle Bücherregale und Logging-Funktionen mit jQuery realisiert.
jQuery lässt sich auch einfach mit einer Vielzahl von Plugins erweitern und mit jQuery Mobile und Codiqa können auch mobile Anwendungen erstellt werden. In der Code School gibt es auch einen Einstiegskurs zu jQuery.
Ansonsten gab es noch eine Vortrag von Peter Kostädt zum “Informationsverhalten der Google- und Smartphone-Generation” und dann war die Tagung auch schon wieder vorbei..
Ein kleiner Disclaimer noch: diese Blogposts sind eher schnell hingeschriebene, interne Gedächtnisstützen denn ausgefeilte Tagungsberichte. Stil und Rechtschreibung sind also eher Bauchgefühl und ob ich alles auch so richtig verstanden habe, was mir da alles erzählt wurde kann ich natürlich auch nicht sagen…
InetBib Tag 2: Märchenstunde und Usability
Der letzte Block des Tages “Nutzerevaluation” begann gleich märchenhaft mit einem Vortrag von Simon Brenner und Miriam Lorenz: “Wachgeküsst: Die Geschichte vom aktiven Katalognutzer”
Das Projekt behandelte die Integration von “Librarything for Libraries” in die Kataloge kleinerer öffentlicher Bibliotheken und die Evaluation der aktiven Nutzung (z.B.: Rezensionen erstellen). Auftraggeber war die Bezirksregierung Düsseldorf, die damit auch kleineren Bibliotheken die Möglichkeit geben wollte, “Web 2.0″-Funktionen im eigenen Katalog anbieten zu können.
Über “Librarything for Libraries” konnten damit Tags, Rezensionen und Empfehlungen bei 24 Bibliotheken in NRW integriert werden. Im Rahmen der Evaluation wurde untersucht wie aktiv die NutzerInnen der einzelnen Bibliotheken diese Funktionen wahrnehmen und beispielsweise Rezensionen beisteuern. Bis jetzt kamen in etwa 2 5000 Rezensionen zusammen. Dies wurde unterstützt durch Aktionen wie “Sommerlese-Club” oder Projekten wie “1000 Rezensionen für Rheinbach” um die NutzerInnen zu motivieren. Als Fazit bleibt also: “nur aktive BibliothekarInnen führen zu aktiven NutzerInnen”.
Danach kam ein Vortrag zum neuen KOBV Portal und schließlich als Abschluss des Tages: “10 Jahre Usability-Evaluation virtueller Bibliotheken: Lessons Learned”. Dieser Vortrag wurde von meinem Sitznachbarn als der “wichtigste Vortrag dieser Tagung” bezeichnet, leider war ich von der Fülle der Präsentationen schon etwas geplättet daher nur das Fazit: Ursula Schulz hat sich angeschaut, welche Erkenntnisse man aus 10 Jahren Usability-Studien im Bibliotheksbereich ziehen kann und ist auf folgende lessons learned gekommen:
- usability engineering bereits von Projektbeginn an integrieren
- verschiedene Zielgruppen bedingen verschiedene Oberflächen
- Es geht nicht um uns sondern um die Anliegen unserer Kunden
- Weniger ist mehr
- Nützliche statt “korrekte” Bezeichnungen
- ehrliche Projektanträge
InetBib Tag 2: Gaderobenpflicht und Elfenpriester
Die Nachmittags-Session hatte den Titel: “Nutzerwünsche erkennen” und begann mit einem Vortrag vom BIS Oldenburg: “Digitale Dienstleistungen und ihre Nutzung: Wie erfahren wir mehr über Nutzerwünsche online?”
Zu Beginn wurden einige Methoden der Nutzerforschung vorgestellt, etwa die Netnographie, eine Übertragung von ethnographischen Forschungsmethoden auf das Internet. In dem – frei verfügbaren – Buch “My Life as a Night Elf Priest” hat etwa eine amerikanische Forscherin “World of Warcraft” untersucht. Wenn allerdings einmal unsere NutzerInnen in unseren Bibliothekskatalogen so viel Zeit wie in “World of Warcraft” verbringen haben wir ein ernsthaftes Usability Problem… , daher eignet sich diese Methode nur bedingt. Denkbar ist aber eine Untersuchung von Bibliotheksangeboten als Teil übergreifender Online-Umgebungen (Facebook, Lernumgebungen).
Eine andere Methode sind kontextuelle Interviews (also im Umfeld der TeilnehmerInnen), dabei können deren spezifische Arbeitsweisen nicht nur erklärt, sondern auch gleich vorgeführt werden.
Im Kontext der Primo-Einführung am BIS Oldenburg wurden dann “Videofeedback-Interviews” durchgeführt. Die Versuchspersonen benutzen das Informationsangebot und dabei wird das Geschehen am Bildschirm, aber auch die Reaktionen der TeilnehmerInnen aufgezeichnet. Einige solcher Videos wurden im Vortrag gezeigt und waren irgendwo zwischen instruktiv und bestürzend..
Als zweite Technik wurden in Oldenburg dann noch Design-Workshops mit Beteiligung der zukünftigen NutzerInnen eingesetzt.
Fazit des Vortrages war, dass NutzerInnen-Tests relativ unkompliziert sind und möglichst frühzeitig und begleitend in der Entwicklung eingesetzt werden sollen. Dies erlaubt schnelle Aussagen zur Wahrnehmung der Oberflächen und gibt die Möglichkeit noch korrigierend einzugreifen, außerdem können konkrete Fragestellungen zu Funktionalitäten und mögliche alternative Lösungsansätze abgeprüft werden.
Der folgende Vortrag “Und was erwarten wir von unseren NutzerInnen? Warum wir auch auf uns selbst schauen müssen, um Nutzerorientierung möglich zu machen” von Anne Christensen ist erfreulicherweise schon auf Slideshare verfügbar.
Bei dem hochgehaltenen Ziel NutzerInnen-Orientierung klafft eine ziemliche Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Ein Beispiel dafür sind etwa die 35 Schritte um eben etwas mal auszudrucken. Auch die Gaderobenpflicht ist so ein Klassiker, denn das Durchsetzen von Verhaltensregeln ist erstmal ein großer Stressfaktor.
Im Endeffekt plädiert Christensen dafür, selbstverantwortliches Handeln zu stärken ohne dabei Verantwortung aus der Hand zu geben, um aus dem bibliothekarischen Dreiklang “Ermahnen/Vorgeben/Erziehen” ein “Ermöglichen/Neugierig machen/Begeistern” zu machen.
Im letzten Vortrag der Session erzählte Maren Krähling von Praxisbeispielen aus den USA “Join the Conversation” – Wie integrieren wir Benutzerwünsche in unsere eigene Strategie? Die Vortragende war im Rahmen des “Librarian in Residence” Programm 2012 in den USA, ihre Erfahrungen sind auch im Projektblog zu finden.
Spannend fand ich das Beispiel der Queens Public Library, die eng mit der Nachbarschaft zusammenarbeitet und z.B.: gemeinsam Bestandsaufbau betreibt (etwa in Sprachen, die keiner der BibliothekarInnen spricht, die aber in der Zielgruppe verbreitet ist). Die Zusammenarbeit findet dabei auf Augenhöhe statt (die BenutzerInnen arbeiten beispielsweise auch an der strategischen Ausrichtung mit), als entscheidende Haltung sieht Krähling daher auch Respekt, Toleranz und Kontextsensitivität (in welche Umgebung ist die Bibliothek eingebunden?)









